Feier zum 250-jährigen Jubiläum der Staatlichen Graphischen Sammlung April 2008 Dr. Günther Beckstein
Von der britischen Kriminalschriftstellerin Agatha Christie, die in zweiter Ehe mit einem Archäologen verheiratet war, ist folgender Rat an eine junge Frau überliefert: „Heirate doch einen Archäologen. Je älter du wirst, umso interessanter findet er dich!"
Dieses Zitat trifft auf die Staatliche Graphische Sammlung voll und ganz zu. Sie ist in den Jahrzehnten und Jahrhunderten ihres Bestehens immer reicher, immer vielfältiger, immer faszinierender geworden. Heute gehört sie zu den bedeutendsten Graphiksammlungen weltweit und ist eine wahre Schatzkiste an Kunstwerken und hochkarätigen Blättern aus mehreren Jahrhunderten.
Der 250. Geburtstag der Graphischen Sammlung ist daher ein besonderes Ereignis. Wir feiern dieses Ereignis mit einer Ausstellung, die einen Einblick in die Sammlung gibt. Und wir feiern das Jubiläum mit dem heutigen Abend in der herrlichen Rotunde der Pinakothek der Moderne - in einem Rahmen also, der würdiger und architektonisch ansprechender kaum sein könnte.
Ich freue mich sehr, zu diesem schönen Anlass heute hier zu sein. Ihnen allen ein herzliches Grüß Gott!
Ein 250. Geburtstag lenkt den Blick des Zeitgenossen auf den Gründer, auf Kurfürst Karl Theodor. In der bayerischen Memoria gehört Karl Theodor nicht gerade zu den großen Lieblingen. Der Wittelsbacher hatte seine Residenzstadt und sein Lebenszentrum in Mannheim. Als er 1777 auch Kurfürst von Bayern wurde, entwickelte er bald den Plan, Bayern gegen die österreichischen Niederlande an den Habsburgerkaiser Joseph II. einzutauschen. Die Bayern haben ihrem Kurfürsten das bis heute nicht verziehen.
Wenn Karl Theodor auch politisch mit Bayern und seinen Menschen also kaum zurechtkam, so war er doch ein großer Förderer von Kunst und Kultur. Ihm verdankt München die Uraufführung von Mozarts „Idomeneo" im Cuvilliés-Theater. Und ihm verdanken wir die Staatliche Graphische Sammlung, die er als „Kupferstich- und Zeichnungskabinett" aus Mannheim mit nach München brachte. Ohne Karl Theodor gäbe es die Graphische Sammlung nicht.
Seine Nachfolger auf dem Königsthron haben den Reichtum dieser Sammlung intensiv gepflegt und immer mehr erweitert. Diese hohe Wertschätzung genießt die Sammlung in Bayern bis heute - beim Freistaat und bei vielen Bürgerinnen und Bürgern.
Was die Graphische Sammlung heute ist, das verdankt sie auch ganz wesentlich Ihnen, sehr geehrte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Graphischen Sammlung. Ich danke stellvertretend für Sie alle Herrn Dr. Semff als dem Leitenden Direktor dieser Sammlung für die professionelle Arbeit, die viele Mühe und den leidenschaftlichen Einsatz für die Belange der Sammlung. Dieser Einsatz trägt entscheidend dazu bei, dass die Graphische Sammlung heute höchstes Renommee genießt und glänzende Reputation besitzt.
Dabei wird das Tätigkeitsfeld, das Sie mit Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern abzudecken haben, immer umfangreicher:
* Sie erwerben neue Stücke, um Ihre Sammlung permanent zu aktualisieren und weiter zu vergrößern. Zurzeit liegt der Bestand bei unglaublichen 400.000 Blättern!
* Sie kümmern sich um die sachgerechte Bewahrung der Ihnen anvertrauten Schätze nach modernsten konservatorischen Erfordernissen.
* Sie stellen eigenständige Forschungen und kunsthistorische Untersuchungen an, die wichtige Beiträge innerhalb des wissenschaftlichen Diskurses sind.
* Und Sie bemühen sich darum, die Schätze, die Sie haben, einem möglichst großen Publikum ins Bewusstsein zu bringen und eine effektive Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben.
Sie konzipieren großartige Ausstellungen, die die wunderschönen Graphiken mit all ihrer Pracht und Grazilität zeigen. Dies begeistert nicht nur den Fachmann. Ich bin schon gespannt, welche Exponate für die Jubiläumsausstellung, die wir heute eröffnen, ausgewählt wurden!
Der umfangreiche Wirkungsbereich und die Kostbarkeit der Sammlung braucht ein repräsentatives Forum. Sie können sicher sein: Es ist mir ein Anliegen, dass diese großartigen Kunstwerke auch künftig angemessen präsentiert werden können.Bayern fördert Kunst und Kultur, wie es nur geht. Der Freistaat kann aber nicht alles alleine leisten. Es braucht die Unterstützung privater Kunstliebhaber, die sowohl ihr finanzielles als auch ihr ideelles Engagement einbringen.
Die Graphische Sammlung verfügt über solche Förderer:
* Es gibt die seit Jahrzehnten aktive „Vereinigung Freunde der Staatlichen Graphischen Sammlung München e. V."
* Es gibt die „Freunde der Pinakothek der Moderne", die die Erwerbung zeitgenössischer Kunst unterstützen.
* Und es gibt in seltenen Fällen kleine oder auch größere Vermächtnisse und Stiftungen.
Diesen Unterstützern und Freunden der Graphischen Sammlung meinen herzlichen Dank - verbunden mit der Bitte, der Sammlung auch weiterhin „treu" zu bleiben!
Für unsere Jubilarin habe ich heute Abend drei Wünsche:
* Ich wünsche ihr erstens, dass sich der Kreis ihrer Förderer immer weiter vergrößert.
* Ich wünsche ihr zweitens, dass sich der Kreis ihrer Verehrer in der Gestalt von Ausstellungsbesuchern immer weiter vergrößert.
* Und ich wünsche ihr drittens das Schicksal Agatha Christies: zunehmende Attraktivität mit zunehmendem Alter.
Hiermit erkläre ich die Jubiläumsausstellung für eröffnet. |