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Rede auf dem Wahlparteitag der SPD (2. Juni 2002)
Gerhard Schröder

Liebe Genossinnen und Genossen, natürlich haben wir in vier Jahren noch nicht alles geschafft. Aber wir haben vieles auf den Weg gebracht, und zwar auf den richtigen Weg.
Wir lassen uns von den großen Vereinfachern nicht vor die falsche Alternative stellen, als ob es um Modernisierung oder Gerechtigkeit ginge. Diejenigen, die heute behaupten, die Probleme würden gelöst, wenn wir einfach alles, auf das die Öffentlichkeit ein Recht hat, privatisieren, sind nicht modern. Die wollen zurück in einen reaktionären Ständestaat, liebe Freundinnen und Freunde.
Diejenigen, die heute behaupten, man dürfe den Sozialstaat zertrümmern, die - das müssen wir den Menschen in Deutschland sagen - sind nicht modern, die sind vordemokratisch.
Aber - ich bitte jetzt auch zu klatschen - auch diejenigen, liebe Genossinnen und Genossen, die Modernisierung nur als Gerede abtun, verteidigen in Wahrheit nicht den Sozialstaat, sondern setzen ihn, wenn auch ungewollt, aufs Spiel.
Wenn es den anderen gelänge, uns dazu zu bewegen, zwischen Modernisierung und Gerechtigkeit entscheiden zu sollen, dann hätten wir schon verloren, und zwar nicht nur als Partei, auch als Land, liebe Genossinnen und Genossen. Deswegen war unsere Politik von Anfang an langfristig angelegt. Viele unserer Entscheidungen werden erst sehr viel später Wirkungen entfalten. Viele unserer Entscheidungen werden später zum Tragen kommen. Für viele der Maßnahmen haben wir überhaupt erst die Voraussetzungen geschaffen. Trotzdem: Ein Teil des Weges ist geschafft. Aber wenn wir den Weg in eine gute Zukunft weitergehen wollen, dann brauchen wir das Mandat für die Fortsetzung unserer Politik, und zwar am 22. September.
Liebe Genossinnen und Genossen, ich denke, es ist in den letzten guten vier Jahren deutlich geworden: Wir haben die Kraft zur Veränderung und wir sind die Kraft der Veränderung.
Wir erneuern Deutschland und stärken den Zusammenhalt der Menschen. Wir werben um jeden, der diesen Weg mit uns gehen will, weil wir wissen, dass dieser Weg für unser Land gut ist, und weil wir von unserer Sache überzeugt sind. Unser Weg, das ist der Weg von Erneuerung und Zusammenarbeit. Unser Weg, das ist der Weg von Aufbau Ost und innerer Einheit. Unser Weg, das ist der Weg von sozialer Sicherheit und Chancen für alle. Unser Weg, das ist der Weg von Toleranz und von Weltoffenheit. Wer auf halbem Weg Halt macht, liebe Freundinnen und Freunde, der kann nur verlieren. Ich bin sicher: Das wissen die Menschen.
Deshalb wollen wir gewinnen und wir werden gewinnen. Dafür werde ich kämpfen. Aber klar ist: Gewinnen können wir nur zusammen, liebe Freundinnen und Freunde. Die Erfahrungen in anderen europäischen Ländern haben gezeigt: Wer meint, es ginge um nichts, wer nicht rechtzeitig gegen die Gefahr des Rückschritts, gegen die Programme der Intoleranz und der Ungerechtigkeit kämpft, für den kann es nach der Wahl ein böses Erwachen geben. Wir wissen das, ihr wisst das. Aber sagt das auch den anderen, die heute nicht bei uns sind oder die noch nicht bei uns sind. Wahlen gewinnt man nicht von alleine. Wahlen gewinnt man durch Kampf. Für diesen Kampf, liebe Freundinnen und Freunde - da wende ich mich über die Delegierten an die Parteimitglieder, an die Sympathisanten unserer Partei -, werdet ihr alle gebraucht, Tag für Tag, jeder an seinem Platz.
Liebe Freundinnen und Freunde, lasst euch nicht bange machen. Manche wollen uns schon abschreiben oder kleinreden, betrachten diesen Staat wieder als ihre Beute und verteilen bereits die Posten. Das hätten sie gerne; sie haben sich zu früh gefreut. Es kommt nämlich nicht darauf an, wer zuerst losläuft, sondern wer als Erster ins Ziel kommt, liebe Genossinnen und Genossen. Ich bin ganz sicher: Wir werden als Erste ins Ziel kommen.
Nun, liebe Genossinnen und Genossen, geht zu den Menschen und sagt ihnen selbstbewusst und frei heraus: Der Mut wächst.



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